Smartphone-Konten liegen im Trend und Ansätze für ein nachhaltigeres Leben sind ebenfalls gefragt. Wieso nicht beides kombinieren?

Das scheint sich das FinTech Tomorrow gedacht zu haben und hat vor gut einem Jahr ein nachhaltiges Mobile-Banking-Produkt vorgestellt.

Nicht nur wer an einem Girkonto mit App-Steuerung und Nachhaltigkeit interessiert ist, kann einen Blick auf das App-Konto werfen.

Denn das kostenlose Konto hat auch durchaus attraktive Konditionen.

Aktualisierung meines Erfahrungsberichts

Seit der ersten Veröffentlichung im Juni 2019 meines Berichtes hat sich einiges bei dem nachhaltigen Smartphone-Konto getan.

Ich nutze Tomorrow weiterhin als Konto für tägliche Ausgaben und habe meinen Erfahrungsbericht um zwischenzeitliche Neuerungen ergänzt:

  • Google Pay ist mittlerweile verfügbar
  • PSD2-Umsetzung erfolgt
  • Neue App-Design – aktuelle Screenshots angefügt
  • Wechsel von MasterCard auf Visa
  • Pockets (Unterkonten) eingeführt
  • Premium-Konto „Tomorrow Zero“ verfügbar

Eckdaten zu Tomorrow

Was ist eigentlich Tomorrow? Bank oder keine Bank?

Hier schreibe ich teilweise von der Tomorrow Bank, obwohl das inhaltlich falsch ist.

Hinter dem Smartphone-Konto steht die Tomorrow GmbH mit Sitz in Hamburg, die jedoch über keine Banklizenz verfügt.

Was ist eigentlich eine Smartphone-Bank?
Eine Smartphone-Bank bietet Bankdienstleistungen (z.B. Girokonto) mit Fokus auf das Mobile-Banking an. Das bedeutet: Das Konto steuert man über das Smartphone per App.

Außerdem ist eine Smartphone-Bank keine Filialbank. Den Kundenservice kontaktiert man z.B. über eine Chat-Funktion in der App.

Banken, deren Bankdienstleistungen Kunden nur über digitale Kanäle in Anspruch nehmen können, die jedoch nicht rein mobilzentriert sind, nennt man übrigens Digital-Bank.

Tomorrow ist ein junges Unternehmen und für Fintech-Startups gilt es als schwierig bis unmöglich, von Beginn an eine eigene Banklizenz zu erhalten.

Das Konto bei Tomorrow wird deshalb bei der solarisBank AG in Berlin geführt.

Über die solarisBank greift auch die nationale Einlagensicherung.

Die solarisBank kennen nicht viele, denn diese Bank vertreibt keine Kontenprodukte wie Girokonten an Endkunden, sondern hat sich darauf spezialisiert, den regulatorischen Rahmen und das Kernbankensystem für Fintech-Startups bereitzustellen.

Mehr zum Geschäftsmodell der solarisBank findet sich auf deren Webseite.

Durch Nutzung der Infrastruktur der solarisBank können sich Startups zunächst darauf konzentrieren, das Produkt zu entwickeln.

Und genau das macht auch Tomorrow.

Konditionen beim Girokonto von Tomorrow

  • Kostenlose Kontoführung (mit Überweisungen, Daueraufträgen und Kontoauszügen)
  • Debit-Visa kostenfrei (früher noch Debit-MasterCard)
  • Google Pay (nur mit Visa, alte MasterCard wird nicht unterstützt)
  • Kein Auslandseinsatzentgelt bei der Debit-Karte
  • Drei kostenlose Abhebungen am Geldautomaten je Monat (Abhebungen in Fremdwährungen 1,5% des abgehobenen Betrages)

Wieso nachhaltige Bank?

Zum Start gibt es zwei Dinge, mit denen Tomorrow das Banking nachhaltig gestalten will.

Einerseits werden die Kundeneinlagen ausschließlich für Investitionen in nachhaltige Branchen und Projekte verwendet.

Das verspricht das Banking-Startup.

Andererseits verwendet die Smartphone-Bank die aus den Gebühren, die der Händler bei einer Kartenzahlung an die Bank bezahlt (sog. Interchange), generierten Einnahmen, um ein Waldschutz-Projekt in Brasilien zu fördern.

Tomorrow ist ein Startup – mehr Initiativen sind geplant, um dem Anspruch der Nachhaltigkeit nachkommen zu können.

Das lässt sich auf der Webseite nachlesen.

Was Tomorrow (noch) nicht kann

  • Kein Apple Pay
  • Nur App-Banking, kein Online-Banking
  • Kein Dispositionskredit
  • Kein Gemeinschaftskonto, kein Geschäftskonto
  • Keine weiteren Bankprodukte (Sparen, Kredite, Depot etc.)
  • Digital-Direktbank ohne Filialen

Premium-Konto „Tomorrow Zero“ für 15,- € mtl.

Neu ist das Premium-Konto Tomorrow Zero.

Die monatliche Gebühr schlägt mit 15,- € üppig zu buche, was jedoch daran liegt, dass es sich um kein reines Bankprodukt handelt.

Während man bei einer anderen Bank als zahlender Premium-Kunde vielleicht Vorteile wie unlimitierter weltweiter Bargeldbezug oder eine 24-Stunden-Banking-Hotline erhält, gibt es bei Tomorrow ein anderes Konzept.

Vorteile beim Bankprodukt an sich gibt es freilich auch. Das sind jedoch nur zwei:

  • ∞ kostenfreie Abhebungen je Monat (statt 3)
  • ∞ Pockets / Unterkonten (statt 2)

Als Gegenleistung für 15,- € im Monat ist das nicht viel. Da bietet eine „konventionelle“ Bank mehr bei einem Premium-Konto.

Jedoch will Tomorrow mit Tomorrow Zero auch anderswo punkten.

Das Konto enthält einen CO₂-Ausgleich, der dem Durchschnittsverbrauch eines Deutschen entspricht (ca. 11,3 Tonnen pro Jahr).

Kommentar von Patrick Woessner

Mir persönlich sagt die Idee hinter Tomorrow Zero nicht so sehr zu. CO₂-Kompensation und Finanzdienstleistungen sind für mich zwei Paar Schuhe. Das halte ich lieber getrennt.

Das funktioniert so: Wer Tomorrow Zero abschließt, für den investiert Tomorrow in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländer, was einen Beitrag dazu leisten soll, den persönlichen CO₂-Fußabdruck zu minimieren.

Beispielprojekte sind Biogasanlagen in Vietnam, Trinkwasserversorgung in Uganda und nachhaltige Landwirtschaft in Peru.

Nicht herauslesen konnte ich, ob es eine Spendenbescheinigung für den CO₂-Kompensationsanteil in der monatlichen Grundgebühr gibt.

Falls nein, wäre das ein Nachteil.

Denn die meisten Anbieter für eine CO₂-Kompensation sind als gemeinnützig anerkannt und können eine Spendenbescheinigung ausstellen, die steuerlich geltend gemacht werden kann.

Jedoch heißt es ohnehin, dass Tomorrow Zero in jetziger Form als erster Wurf zu verstehen ist. Neue Funktionen und Ideen sollen noch kommen.

Meine Tomorrow-Erfahrungen

Was mich zur Smartphone-Bank brachte

Kommentar von Patrick Woessner

Ich habe mir Tomorrow zugelegt, da ich das Konzept interessant finde und die Kontoeröffnung einfach ist.

Was mich dazu bewegt hat, das nachhaltige Konto mit App-Steuerung auszuprobieren?

Um ehrlich zu sein: Spieltrieb 🙂

Ich hatte schon früh von dem Konto-Produkt und dem Startup dahinter gehört und mich für die E-Mail-Liste eingetragen, als das „Baby“ noch in einer Closed-Beta war.

Schließlich erhielt ich eine E-Mail, dass es losgehen kann.

Begünstigt wurde meine Entscheidung zur Kontoeröffnung auch dadurch, dass Tomorrow bzw. die solarisBank weder die Schufa abfragen noch das Konto dort eintragen.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits zwei private Girokonten, ein Geschäftskonto sowie diverse Kreditkarten. Der Schufa-Score reagiert nicht unbedingt positiv auf viele eingetragene Konten.

Hätte ich Befürchtungen haben müssen, mir den Schufa-Score mit einem „Spielkonto“ zum Ausprobieren zu verhunzen, hätte ich das Konto wohl nicht eröffnet.

Auch geht die Kontoeröffnung per Video-Ident ruckzuck.

Meine Geschichte hört Tomorrow vielleicht nicht unbedingt gerne, denn im heutigen Umfeld ist es schwierig für Banken, Geld im Privatkundengeschäft zu verdienen.

Bevorzugt werden Kunden, die das Girokonto aktiv und als Hauptkonto nutzen. Das bedeutet insbesondere – Gehaltseingang und intensive Kartennutzung.

Kontoeröffnung bei Tomorrow

Hier gibt es nicht viel zu erzählen.

Der Prozess ist einfach und es ging sehr schnell bei mir:

  • App herunterladen
  • Stammdaten in der App eintragen
  • Video-Ident durchführen
  • Konto ist erstellt
  • Debit-Karte kommt per Post (ging bei mir vier Tage)

So macht Mobile-Banking Spaß 😀

Wofür ich das Tomorrow-Girokonto nutze

Kommentar von Patrick Woessner

Ich nutze das Tomorrow-Girokonto derzeit nur für kleinere Ausgaben bei Kartenzahlung im Einzelhandel.

Ich muss ehrlich sagen: Als Gehaltskonto würde ich Tomorrow nicht nutzen.

Genauso wenig wie eine andere Smartphone-Bank wie N26.

Wofür sich das App-Konto gut eignet, ist die Nutzung als Ausgabenkonto.

Ich lade das Konto per Überweisung von einem anderen Konto auf und nutze die Karte für kleinere Ausgaben im Einzelhandel.

Supermarket, Drogerie, Restaurantbesuch, Fahrscheinautomaten oder Einzelhandel – hier zücke ich die schicke Tomorrow-Karte.

Ich hatte noch die „alte“ MasterCard, die jedoch nun zwangsweise auf die Visa-Karte getauscht wurde. Mir soll es recht sein – zwischen den beiden Kreditkarten-Schemes gibt es keine großen Unterschiede.

Außerdem ist eine Visa-Debit ist hierzulande (noch) recht selten.

Die Konditionen haben sich dabei auch nicht geändert.

Plane ich die Debit-Karte länger nicht zu nutzen, kann ich diese in der App deaktivieren. Das ist gut für all diejenigen, die zusätzliche Sicherheit schätzen.

Ansonsten informiert die App sofort per Push-Nachricht, wenn ich mit der Debit-Karte einkaufe. Der Umsatz wird sofort mit dem Kontostand verrechnet.

Wie mir die Smartphone-App gefällt

Eine Smartphone-Bank braucht eine gute App – soweit logisch 🙂

Mir gefällt die App auch gut.

Das User-Interface fällt minimalistisch aus.

Viele Funktionen gibt es nicht, jedoch fällt die Bedienung intuitiv aus.

Das gefällt mir allemal besser als eine überladene App.

Was die App gut kann, ist Feedback geben.

Denn es gibt eine „Impact“-Rubrik.

Dort kann man sich anzeigen lassen, welche Projekte Tomorrow gerade finanziert.

Aktuell ist die Auswahl bescheiden. Einen Greenbond und einen Mikrokredit-Fonds gibt es.

Außerdem werden mit den Gebühren, die die Bank bei einer Kartenzahlung erhält (sog. Interchange – in der EU 0,3% des Umsatzes), Aufforstungs- und Schutzprojekte für den Regenwald finanziert.

Hier kann man sich direkt anzeigen lassen, wieviel Quadratmeter Regenwald man durch den Karteneinsatz geholfen hat zu erhalten.

Pflegeleichte PSD2-Implementierung

Bei manch einer Bank muss man seit der PSD2-Einführung (Zahlungsdiensterichtlinie, siehe hier) jede Menge TAN-Nummern generieren – z.B. um sich in das Online-Banking einzuloggen.

Bei Tomorrow ist das einfach gelöst.

Die App wird per „device binding“ fest mit dem Mobilgerät gekoppelt. Dazu muss man einmalig einen SMS-Sicherheitscode eingeben.

Danach bleibt einem die regelmäßige TAN-Generierung erspart – für App-Banking eine komfortable Lösung.

Und da viele Banken Banking-App und TAN-Generator auf dem gleichen Smartphone erlauben, ist die transaktionsbasierte Zwei-Faktor-Authentifizierung ohnehin in gewisser Weise Augenwischerei.

Google Pay nutzen

Apple-Jünger müssen noch ein wenig warten. Auf Android-Smartphones ist jedoch Google Pay mittlerweile freigeschaltet.

Ich konnte zunächst noch nicht mitmachen, da mir die Visa-Karte fehlte (nur diese wird unterstützt).

Nachdem ich automatisch von MasterCard auf Visa umgestellt wurde, habe ich Tomorrow jetzt jedoch auch in Google Pay hinterlegt.

Eine direkte Hinterlegung aus der Tomorrow-App hinaus wird nicht angeboten. Man muss also die Kartendaten von Hand in der Google Pay-App eingeben.

Das ist natürlich kein Beinbruch.

Google Pay

Mein Fazit zur Tomorrow-Bank (die eigentlich gar keine Bank ist)

Ich nutze das Tomorrow-Konto nun schon seit einigen Monaten als Ausgabenkonto und werde das auch weiterhin tun.

Die Infrastruktur scheint gut zu funktionieren. Weder habe ich Ausfälle der App bemerken können, noch hat die Zahlung per Karte jemals Probleme gemacht.

Die App ist schlicht, aber gut gemacht.

Dabei gibt es die digitalen Features, die man von einer Smartphone-Bank gewöhnt ist: Push-Nachrichten bei Zahlungen und die Möglichkeit, die Karte über die App temporär zu deaktivieren.

Gut ist auch das „grüne Feedback“, dass man über die App bekommt.

Die App nennt sogar die Summe der Kundeneinlagen und die Anzahl der Kunden – das ist eine Transparenz, die ich so von einer Bank noch nicht kannte.

Was sich da noch Zeigen muss: Kann die nachhaltige Smartphone-Bank auch ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln?

Am Tag, zu dem ich hier meine Erfahrungen mit Tomorrow erstmals niederschrieb, waren es knapp 5,7 Mio. € Kundeneinlagen und knapp 7.500 Kunden.

Mittlerweile sind die Zahlen auf 31,7 Mio. € und 25.000 Kunden gewachsen.

Viel ist das immer noch nicht. Aber es wächst zumindest kontinuierlich. Immer wieder schaue ich interessehalber in den „Impact“-Screen der App.

Um die mittelfristige Finanzierung des Wachstums scheint man sich bei der Smartphone-Bank eher keine Sorgen machen zu müssen. In einer Finanzierungsrunde gab es kürzlich wieder frische Investorengelder.

Dafür, dass ich in Erwägung ziehe, das nachhaltige und mobile Konto auch als Hauptkonto zu verwenden, müsste sich jedoch nicht einiges tun.

Zu einer nachhaltigen Bank gehören meines Erachtens Anlageprodukte dazu. Das weiß Tomorrow jedoch auch und es soll sich da etwas tun.

Schön ist, dass Tomorrow mittlerweile auch Google Pay unterstützt. Nachdem ich die aktuelle Visa-Karte erhalten habe, konnte ich die Aktivierung vornehmen. Mit der alten MasterCard ging es nämlich nicht.

Anderen Nutzern wird wohl Apple Pay fehlen, was es noch nicht gibt. Eine „echte“ Kreditkarte ebenfalls. Und Online-Banking neben der App-Steuerung auch.

Viel neues erzähle ich dem Gründer-Team damit nicht. Künftige Features listet das Startup im Maschinenraum – und hat alles (und mehr) auf dem Schirm, was ich vermisse.

Ich für meinen Teil werde deshalb die Entwicklung bei Tomorrow weiter verfolgen und das Konto bzw. die Karte regelmäßig nutzen.

Wer sich selbst ein Bild von Tomorrow machen will, schaut am besten auf der Webseite vorbei. Gut gemacht sind auch die FAQ – hier wird (fast) jede Frage beantwortet.

Autor

Ich bin Patrick und hier blogge ich zu verschiedenen Themen rund um Technik, Gadgets und mehr. Früher hatte ich gleich mehrere Blogs zu diesem Thema. Mittlerweile konzentriere ich mich hier auf Tech Junkies.

Kommentar schreiben

Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Veröffentlichung des Kommentars gemäß Datenschutzerklärung elektronisch erhoben und gespeichert werden.